Stillen Hüllen Pflegen Die Bekleidung - das Wickeln
Das Neugeborene tritt nahezu völlig ungeschützt aus den Hüllen des Uterus und der Eihäute ans Licht der Welt. Nur die Käseschmiere und sein spärliches Haarkleid schützen es ein wenig vor Kälte und Austrocknung. Angesichts des kleinen, nackten Wesens vollziehen wir fast unbewusst eine typische pflegerische Geste. Wir hüllen es ein, umschließen es, spenden ihm Wärme und Schutz, denn der noch nicht ausgereifte Wärmeorganismus des Kindes bedarf der Pflege. Ohne Wärmehülle würde das Neugeborene binnen kurzer Zeit vollständig auskühlen und in einen lebensbedrohlichen Zustand geraten. Auch gegen zu hohe Außentemperaturen kann es sich noch nicht schützen. Seine Wärmeregulationsfähigkeit reicht nicht aus, um die für den Menschen normale Kerntemperatur von 37°C zu erhalten. Diese Temperatur wird für ein optimales Wachsen und Ausreifen der Organe benötigt. Ausdruck für gesunde Wärmeverhältnisse sind warme Füße. Eine zu hohe Außentemperatur zeigt sich durch Schweißbildung am Nacken. Die Bekleidung des Säuglings trägt diesem Sachverhalt Rechnung. Besonders geeignet sind Naturtextilien aus Wolle, Seide und Baumwolle. Die aus dem Tierreich gewonnenen Fasern stehen dem Menschen näher als die pflanzlichen. Unter ihnen nimmt die Wolle des Schafes wiederum eine Sonderstellung ein. Sie ist in ihrem mikroskopischen Aufbau dem menschlichen Haar am ähnlichsten. Schafschurwolle mit natürlichem Fettgehalt (Lanolin) hat die Eigenschaft eine gleichmäßige Wärmehülle zu bilden, Feuchtigkeit aufzunehmen und sie in Form von Wasserdampf an die Außenluft abzugeben. Schafschurwolle wirkt wie eine Schranke, die Feuchtigkeit unter zusätzlicher Wärmebildung nach außen leitet und von außen kommende Wärme und Feuchtigkeit abweist. Sie nimmt je nach Qualität 30-40% ihres eigenen Gewichtes an Feuchtigkeit auf, ohne sich nass anzufühlen. Sie neutralisiert Ammoniak (Abbauprodukt des Urins), Schweiß und Gerüche aller Art. Außerdem hat sie antibakterielle und heilende Eigenschaften. Die Seide hat der Schafschurwolle verwandte Eigenschaften, allerdings ist für unseren mitteleuropäischen Raum die Schafschurwolle für die Kleinkindbekleidung zu bevorzugen. Die Baumwolle ist eine Pflanzenfaser und zeichnet sich durch Strapazierfähigkeit, Weichheit und Saugfähigkeit aus. Als handgepflücktes, unbehandeltes Produkt ist sie besonders für Allergiker oder Kinder mit empfindlicher Haut geeignet. Ungeeignet für die Bekleidung des Neugeborenen sind synthetische Materialien, da sie entweder ungenügend wärmen oder die Wärme und Nässe stauen.